Im Wohnhaus einer stillgelegten Fabrik wird eine Leiche gefunden. Es handelt sich um den ehemaligen Betreiber des Werks, Theodor Reifenrath, wie Kriminalhauptkommissarin Pia Sander feststellt. In einem Hundezwinger machen sie und ihr Chef Oliver von Bodenstein eine grausige Entdeckung: Neben einem fast verhungerten Hund liegen menschliche Knochen verstreut und die Spurensicherung fördert immer mehr schreckliche Details zutage. Reifenrath lebte sehr zurückgezogen, seit sich zwanzig Jahre zuvor seine Frau Rita das Leben nahm. Im Dorf will niemand glauben, dass er ein Serienmörder war.

Rechtsmediziner Henning Kirchhoff kann einige der Opfer identifizieren, die schon vor Jahren ermordet wurden. Alle waren Frauen. Alle verschwanden an einem Sonntag im Mai. Pia ist überzeugt: Der Mörder läuft noch frei herum. Er sucht sein nächstes Opfer. Und bald ist Anfang Mai.

Nele Neuhaus ist eine Autorin, die ich lange Zeit bewusst außer Acht gelassen habe – nach zwei Büchern ging mir der schon fast pathologische Hass auf Wohlhabende gründlich auf die Nerven. Und wie ich einmal scherzte, wie man in ihren Büchern den Mörder identifiziert: Solariumbräune! – Sehr verdächtig.

Ich hatte mit *Muttertag* beschlossen, ihr noch einmal eine Chance zu geben und war total glücklich mit dem Hörbuch. Das lag zum einen an der Sprecherin Julia Nachtmann, bei der ich mich vom ersten Wort an gut aufgehoben fühlte. Oft ist es so, dass ich mich an Sprecher gewöhnen muss und sie erst einmal ziemlich schlecht finde. Bei Nachtmann war es ganz anders, zudem schaffte sie es sehr gut, die Tragik der Geschichte zu vermitteln, ohne kitschig zu wirken.

Diese ist eher tragisch als spannend und erzählt vom Kindesmissbrauch in den 50er Jahren in Pflegefamilien und Heimen, und was daraus entstehen kann. Die Grausamkeiten, welche an den Kindern begangen wurden, sind einfach unvorstellbar. Meine Eltern hatten mal einen Bekannten, der in einem Heim aufgewachsen ist, und noch als Erwachsener nicht darüber reden konnte.
Wer aus dem Main-Taunus-Kreis und dem Landkreis Offenbach kommt, wird sich zusätzlich freuen, denn es werden viele bekannte Ortsnamen auftauchen, wie Langen, Dietzenbach, sogar aus meinem Stadtteil Gravenbruch stammt eine Leiche. Es ist schön, ein Buch zu lesen, welches in der Umgebung spielt, auch wenn es keinen Lokalkolorit gibt.

Fazit

Zumindest als Hörbuch ein richtig guter Krimi.

Schon als Fünfjährige schrieb die in Münster Geborene ihre erste Geschichte, mit 14 Jahren füllten die Storys schon mehrere Hefte. Und als Nele Neuhaus nach dem Studium von Jura, Geschichte und Germanistik das erste „richtige“ Buch geschrieben hatte, ließ sie es „on demand“ drucken und vertrieb es selbst. Es verkaufte sich bestens, der Berliner Ullstein-Verlag nahm Nele Neuhaus unter Vertrag, und ihre folgenden Krimis um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff machten aus ihr eine Erfolgsautorin. Der Durchbruch gelang ihr 2010 mit dem vierten Band der Taunuskrimi-Reihe. „Schneewittchen muss sterben“ stürmte seit Erscheinen im Juni 2010 die Bestsellerlisten, Lizenzen wurden in 31 Länder verkauft, ebenso die Filmrechte. Auch ihr erstes Buch „Unter Haien“ eroberte nach der Wiederauflage im Mai 2012 die Top-Position der Bestsellerliste, genauso wie die Taunuskrimis „Wer Wind sät“ und „Böser Wolf“. Im ZDF wurden die Filme nach Motiven aus Neuhaus‘ Romanen Quotenhits.

Muttertag: 9 CDs (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 9)
udio CD
Verlag: Hörbuch Hamburg; Auflage: 1 (19. November 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3957131464
ISBN-13: 978-3957131461
Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 2,5 x 13,2 cm

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